Wie sind Sie auf die Idee gekommen, aus Fischhäuten Leder herzustellen?
Eines Tages kam meine Mutter von einer Exkursion im Tropenhaus Frutigen, bei der sie gehört hatte, dass theoretisch aus Fischhäuten Leder gemacht werden könnte. Im Scherz meinte sie: «Das wäre doch etwas für dich, Sabina.» Ich war sofort Feuer und Flamme für die Idee und habe mit dem Tropenhaus Kontakt aufgenommen. Hier habe ich dann erfahren, dass die Fischabfälle, die bei der Produktion von Kaviar und Speisefischen anfallen, nicht verwendet, sondern in einer Biogasanlage verbrannt werden.

Damit wurde aus einer Idee der Grundstein für Ihre Bachelorarbeit gelegt.
Tatsächlich hat mir das Tropenhaus die Störhäute überlassen und ich habe mich damit auf die Suche nach einer Gerberei gemacht. Das war gar nicht so einfach, da es in der Schweiz kaum mehr Gerbereien gibt und die Verarbeitung von Fischhäuten hierzulande noch nie durchgeführt wurde. Ich habe dann eine Gerberei in Steffisburg gefunden, die sich mit mir an das Experiment wagte.

Bei der Verarbeitung von Fischhaut muss anders vorgsegangen werden als bei Leder, denn sonst löst sich das Material auf. Bereits beim ersten Mal hat die Verarbeitung geklappt und ich hielt das schweizweit erste Fischleder in den Händen. Das Leder hat eine wunderschöne Struktur, ist sehr strapazierfähig und, wie sich später herausstellte, sogar wasserfest. Nach Fisch riecht das Leder übrigens nicht mehr.

Welche Produkte werden heute damit gefertigt?
Meine ersten beiden Produkte waren ein Weekender Bag sowie ein Velotäschli. Die Idee eines Uhrenbandes habe ich der Luzerner Uhrenfirma  präsentiert. Sie waren sofort begeistert und wir haben gemeinsam ein Band für den Verkauf entwickelt. Zudem habe ich für das Tropenhaus Frutigen eine Accessoire-Kollektion kreiert. Als nächstes Projekt steht die Zusammenarbeit mit einem Brillendesigner an.

Haben Sie inzwischen ein Startup-Unternehmen gegründet?
Obschon die Aufträge immer mehr werden, bin ich noch immer als «selbstständig» aufgestellt – das ist momentan finanziell noch interessanter für mich. In absehbarer Zukunft wird die Gründung einer Firma aber sicher ein Thema werden. Jedenfalls bin ich bereits am Schreiben eines Busines­splans.

Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?
Ich habe bereits weitere Ideen zur Verarbeitung von Materialien, die bis jetzt weggeworfen werden. Ich möchte mich mit meiner Firma als Material Scout positionieren und nach Materialien suchen, die in der Textilindustrie Verwendung finden können.