Herr Landert, früher wurde in der Kantine Riz Casimir serviert, heute muss es Thai Curry sein. Was hat sich hier in den letzten Jahren verändert?

Sagen Sie bloss nicht Kantine! Heute heisst es Restaurant für Mitarbeitende und ist auch tatsächlich nicht mehr vergleichbar mit einer Kantine, wie man sie von früher her kennt.

Der Gast ist in den letzten Jahren immer anspruchsvoller geworden, weiss um die Foodtrends, reist viel und möchte dementsprechend internationale Gerichte serviert bekommen.

Qualität und der Gesundheitsaspekt sind dabei wichtige Kriterien. Auch die Nachhaltigkeit spielt heute eine grosse Rolle.

Und diese Kriterien reichen für ein erfolgreiches Gastronomiekonzept?

Nein. Wichtige Aspekte sind auch die Gestaltung der Räumlichkeiten, die sogenannte Raum- und Aufenthaltsqualität, ein abwechslungsreiches Foodangebot und kompetente, freundliche Servicemitarbeitende.

Man misst sich heute in allen Bereichen an der Qualität der Gastronomie am freien Markt.

Die Mitarbeitenden sollen sich wohlfühlen und gerne ihre Mittagspause im firmeneigenen Restaurant verbringen. Das bringt auch der Firma viele Vorteile.

Immer mehr grosse Firmen haben das erkannt und bieten ihren Mitarbeitenden ein umfangreiches Angebot, teilweise sogar kostenlos oder stark vergünstigt. Welche Vorteile und Nutzen bietet die interne Gemeinschaftsgastronomie?

Dank der Nähe zum Arbeitsplatz haben die Mitarbeitenden keine langen Wege und es sind dadurch kürzere Pausen möglich.

Zudem lernen sich die Mitarbeitenden beim gemeinsamen Lunch näher kennen, es ist der spontane Austausch von Ideen und Lösungen möglich und es wird der Teamgeist gefördert.

Studien zeigen, dass eine gesunde, ausgewogene Ernährung der Mitarbeitenden weniger Krankheitstage zur Folge hat.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden und die Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber.

Die Gastronomie am freien Markt und die Gemeinschaftsgastronomie waren früher zwei komplett unterschiedliche Bereiche. Heute wachsen sie immer mehr zusammen. Welche Gründe gibt es hierfür?

Die Gastronomie am freien Markt gerät einerseits unter finanziellen Druck durch die Gemeinschaftsgastronomie.

Durch Subventionen kann die Gemeinschaftsgastronomie ein Mittagsmenu für neun Franken fünfzig anbieten; für die Gastronomie am freien Markt ist das unmöglich.

Gleichzeitig setzt die Gastronomie am freien Markt die Gemeinschaftsgastronomie unter Druck mit Foodthemen wie Sushi, Burger oder Health Food.

Die Gemeinschaftsgastronomie wird immer mehr gefordert, besser, schneller, authentischer zu werden.

Wie sieht die Zukunft der Gemeinschaftsgastronomie aus?

Megatrends wie Authentizität, Transparenz und Nachhaltigkeit werden weiter an Bedeutung gewinnen. Zudem werden uns auch die Themen Gesundheit, Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten in Zukunft weiter beschäftigen.

Darauf muss die Gemeinschaftsgastronomie eingehen.