Herr Meier, wie sieht kulinarisch ein perfekter Sommerabend für Sie aus?

Dazu braucht es für mich nicht viel: ein gutes Stück Fleisch vom Grill und dazu einen meiner Weine. Am liebsten einen Malbec.

Seit 27 Jahren betreiben Sie Farmen und einen Weinberg in Argentinien. Alle im biologischen Anbau. Was ist Ihnen wichtig bei Ihren Produkten?

Die Produkte müssen unter idealen Bedingungen entstehen, damit ihr Eigengeschmack voll entfaltet werden kann. Unsere Rinder sind die ganze Zeit auf riesigen Weiden im Freien und fressen ausschliesslich Gras. Das schmeckt man: Das Fleisch ist deutlich aromatischer und hat eine andere Zellstruktur.

Ich sage immer: Gutes Fleisch geht auf wie ein Kuchen und man hat kein Wasser in der Pfanne. Für mich gilt: Egal ob Fleisch oder Gemüse, die Produkte müssen optimal wachsen und sich entwickeln können.

Sie führen mehrere Restaurants in Zürich, Berlin und Frankfurt. Wie muss Gastronomie für Sie sein?

Ich mag die einfache Küche und bin kein Freund von verrückten Geschmacksvermischungen. Das bedeutet für meine Gastronomie, dass ich nur beste Produkte verwende und sie so zubereite, dass sie ihren Geschmack voll entfalten können.

In meinen Betrieben soll das Naturprodukt geehrt werden und wir arbeiten heraus, was uns die Natur an Geschmack gibt. Einen Fisch etwa isst man am besten nur mit etwas Zitrone. Alles andere überdeckt den feinen Geschmack.

Welche Bedeutung hat Genuss für Sie?

Eine grosse, es ist eine Art Lebenseinstellung.  Genuss ist Arbeit, eine Anregung der Sinne und gleichzeitig eine Herausforderung.

Es ist eine Auseinandersetzung mit dem, was man hört, sieht, riecht und schmeckt. Genuss ist ein Dialog mit allen Sinnen.

Neben Fleisch, Wein und Gin produzieren Sie neu auch Schokolade. Haben wir in der Schweiz nicht schon genügend davon?

Unsere Schokolade wird mit einem ganz neuen Verfahren, der sogenannten Kaltextraktion, hergestellt. Dabei fallen, im Gegensatz zur klassischen Kakaoaufbereitung, die Trocknungs- und Röstprozesse bei teilweise sehr hohen Temperaturen weg.

«Eine gute Idee ist manchmal wie ins Wasser springen und etwas herausfischen, was mein Interesse weckt.»

Durch das schonende Verfahren bleiben die ganzen wunderbaren Geschmäcke der Kakaobohne erhalten und trotz der hohen Kakaokonzentration entstehen keine Bitterstoffe. Die Schokolade hat einen viel geringeren Zuckeranteil und ist deshalb Genuss ohne Reue!

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Meine Ideen sind im wahrsten Sinne des Wortes Zufall, sie fallen mir zu und manchmal packe ich sie und lasse sie nicht mehr los. Niemals würde ich am Schreibtisch sitzen und mir überlegen, was ich wohl als Nächstes tun könnte.

Ideen entstehen aus Beobachtungen und dem Dialog mit den Menschen und der Natur. Ich habe dazu ein schönes Bild: Ich sitze am Ufer eines Flusses und warte, was der so vorbeitreibt. Manchmal springe ich hinein und fische spontan etwas heraus, was mein Interesse weckt.

Ich nehme an, dass Sie auch in Zukunft noch so einiges aus dem Fluss fischen werden ... welche konkreten Pläne haben Sie für die Zukunft?

Ich möchte noch grössere Schokoladenfabriken aufbauen und das Schokoladenbusiness vorantreiben. Zudem arbeite ich an einem Drehbuch und werde auch in Zukunft Konzerte mit Yello geben.

Ich habe das Glück, dass ich nicht so klar zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden muss. Für mich ist Arbeit das grösste Glück, wenn ich etwas bewegen, vorantreiben und entwickeln kann. Das ist für mich ein grosser Luxus und bedeutet mir mehr, als auf einer Jacht Ferien zu machen.