Der Aufbau eines Franchisingsystems empfiehlt sich, wenn ein Unternehmen eine gute Idee, ein erfolgversprechendes Produkt oder ein innovatives Geschäftsmodell nicht nur flächendeckend umsetzen, sondern damit auch möglichst rasch wachsen möchte. Wem Idee, Produkt und Modell fehlen, hingegen sehr viel Motivation und eine gute Portion unternehmerisches Denken einbringen kann, ist der optimale Partner dieser Unternehmen und kann von diesem System viel profitieren. Er oder sie kann einen Betrieb aufbauen, der letztlich zwar nicht ihm gehört, mit dem er dank einem bereits etablierten Produkt oder einer starken Marke allerdings sehr erfolgreich werden kann. «Eine richtig gute Idee mit sehr starken Umsetzungspartnern führte in der Vergangenheit auch schon dazu, dass Unternehmen bereits aufgebaute und enorm erfolgreiche Franchisingbetriebe wieder zurückkaufen wollten», sagt Jan Kollros, Managing Partner bei der adbodmer AG.

Die Voraussetzungen
Ein Franchising lässt sich selten von Null aufbauen. Meistens braucht es eine gewisse minimale Anzahl von Läden oder Geschäftsstellen, die in der Praxis funktionieren. Dann wird das ganze Modell einfacher. Ein Franchisenehmer muss von diesem Geschäftsmodell und dem Produkt begeistert sein und sich innerhalb der Rahmenbedingungen entsprechend selbständig einbringen können. «Vor allem in grösseren Konstrukten können wir sehr grosse Unterschiede zwischen mehr und weniger erfolgreichen Franchisenehmern beobachten. Das unternehmerische Denken und Handeln ist absolut entscheidend», betont Kollros.
 

«Beide Parteien verfolgen selbstverständlich ihre eigenen Interessen und Ansichten.»

Private Investoren oder Banken?
Doch die Motivation und Unternehmertum alleine reichen nicht aus. Ein Franchisenehmer braucht auch Kapital, um seinen Betrieb aufzubauen. Wer es nicht besitzt, muss Investoren finden. Hier bieten sich schliesslich zwei mögliche Gruppen an: Qualifizierte Privatinvestoren oder die Banken. Institutionelle Investoren können einzig mit einer Idee oft noch nicht viel anfangen und Banken interessieren sich je länger je mehr erst ab einer gewissen Grössenordnung für Finanzierungsanfragen von Franchisenehmern. Durch die sich laufend ändernden regulatorischen Bedingungen in der internationalen Finanzwelt leidet zudem die Planbarkeit. «Doch Planungssicherheit ist die eigentlich wichtigste Grundlage für einen Unternehmer, der sich in ein Risiko begibt», sagt Kollros. «Wer einen privaten Investor findet, kann häufig flexibler über Verträge und deren Gestaltung verhandeln. Beide Parteien verfolgen selbstverständlich ihre eigenen Interessen und Ansichten. Doch beide wissen auch, dass sie ihre Ziele ohne den anderen nicht erreichen können. Das schafft meistens eine sehr gute Verhandlungsbasis und deshalb ist man mit einem privaten Investor meistens auch gut beraten», sagt Kollros. «Doch eine allgemeine und abschliessende Empfehlung ist das nicht. Ganz unterschiedliche Faktoren beeinflussen die richtige Entscheidung: die Grösse des Unternehmens, die Ziele, die Kapitalintensität, das Geschäftsmodell, der Standort, die Wachstumschancen und vieles mehr.»

Unternehmerische Risiken
Ein Franchising ist kein Selbstläufer und bietet einem Unternehmer ganz ähnliche Risiken wie ein eigener Betrieb, auch die gleichen Existenzängste, Investitionsanforderungen und Verlustrisiken. «Wer es nicht schafft, das Modell und die Ziele des Franchisegebers – die es immer gibt und die nicht selten recht ambitiös sind – erfolgreich umzusetzen, verliert unter Umständen seine Lizenz», sagt Kollros. «Ich muss mir also gut überlegen, ob ich dieses Geld ausgeben will oder ob ich es nicht gleich selber probieren möchte. Eine Marke zu bezahlen, von der man nicht profitieren kann, lohnt sich kaum. Aber Produkte und Modelle, die bekannt sind und einen positiven Brand haben, die schon länger existieren oder sich absehbar positiv entwickeln und bei vielen anderen Franchisenehmern auch funktionieren, reduzieren das unternehmerische Risiko – was sich Franchisegeber über die Lizenzbeträge natürlich auch bezahlen lassen.»